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Geständnisse einer Großstadtlesbe (1)

06/07/2009

Lesboland Vol. 1 Pärchenalarm

Frollein,

Was für das Wunderland der Heteronormativität gilt, spielt sich auch in allzu vertrauten Läääspenkreisen ab. Die Rede ist von nichts geringerem als: PÄRCHENALARM!

Gepredigt wird einem von den Freiheiten, die das Singleleben zu bieten hat: Der Spontanität, die einem erlaubt auch ohne die lästige Kugel am Bein und die bestehenden Verpflichtungen (genannt Freundin oder je nach Definition auch gerne mal Lebensabschnittsgefährtin bzw. temporärer Betthase mit Qualitäten zur kulinarischen Verköstigung und Kuschelambitionen bei eventuellen DVD Abenden – „Schätzelein, lass uns einen Film gucken und bring ein Sixpack Becks mit!“. Wenn ein ganz fortgeschrittenes Stadium erreicht wird, könnte es auch passieren, dass es zu einer Entpersonalisierung kommt und nur noch nach DER FRAU verlangt wird bzw. in Erzählungen nur noch von DER FRAU die Rede ist – „Meine Frau mag auch keinen Rosenkohl“ „Frag lieber meine Frau“ „Meine Frau würde dir da widersprechen“ – Besitzansprüche wollen auch im alltäglichen Sprachgebrauch untergebracht werden.) drei Tage durchzufeiern, den Alkohol in Strömen fließen zu lassen (Bier auf Wein, so muss das sein!) und kein schlechtes Gewissen haben zu müssen oder gar jemandem Rechenschaft darüber abzulegen, warum man nach diesem Exzess das Haus wegen Lichtempfindlichkeit nicht verlassen und erst Recht keine Nahrung zu sich nehmen will. Oder gar aus gegebenem Anlass ein ausschweifendes und nicht gerade philosophisches Gespräch mit der Kloschüssel führen möchte, bei dem einem der vergangene Abend nochmal durch den Kopf geht und die gute Linsensuppe von Muttern ihr zweites, sadistisches  Gesicht zeigt.

Aber hallo?!?! Erstens: Wer sagt denn, dass ich das will? Und zweitens: Wer sagt denn, dass das möglich ist? Denn, wenn alle deine Freunde plötzlich und unerwartet im Beziehungsheititei stecken und es überall nur noch rosa Zuckerwatte regnet und selbst die Kinderersatzkatze vor lauter Familienidyll bunte Liebesperlen kackt, wo soll ich denn da hin mit meiner ganzen Singlefreizeit?

So finde ich mich in meiner schrömmeligen Lieblingskneipe wieder, in der ich schon meine wilde Jugend verbracht habe, trinke bereits das dritte große Blonde und stoße erneut in geselliger Runde auf das Wohl der gerade frisch gealterten besten Freundin an. Mein nahezu selbstironischer und selbstgeißelnder Blick streift die Runde und nach innerem Fingerzählen bleibe ich nach Eva Riese (Adam, von wegen, scheiß Patriarchat) bei 7 stehen. Meine Entdeckung des nun siebten Rades teile ich sogleich mit der besseren Hälfte meiner besten Freundin und wähne mich im Glanz meines anerkannten Humors, den ich aufgrund meiner Feststellung eindrucksvoll bewiesen habe. Der bissige Kommentar der besten Freundin hingegen „Haste schonmal n Auto mit sechs Rädern gesehen?“ wurde gekonnt mit einem „LKWs sind auch nicht besser!“ gekontert. Wobei mir erst später auffiel, wie schön der Vergleich der Wucht eines 20 Tonners mit der geballten Kraft der Liebe dreier Pärchen ist – Danach biste ganz schön platt! Meine Lehre aus den geselligen Abenden zu fünft oder zu siebt habe ich also allmählich gezogen. Entweder ich eigne mir ein ganz schön dickes Fell an, nehme eine PSP mit und zocke Egoshooter bis zum inneren Reichsparteitag, falls es alle mal wieder virusartig überfällt synchron aneinander rumzufummeln, oder setze mich solchen wunderschönen Abenden einfach erst gar nicht mehr aus. Zeit, um sich nach einer adäquaten Freizeitpartnerin umzusehen!

Da haben wir aber den Salat. Woher nehmen und nicht stehlen? – Den netten, humorvollen, unternehmungslustigen, lesbischen Partysingle, der mit dir die Frauenschwoofs des näheren und weiteren Umfelds unsicher macht, mit dir querbeet durch alle Musikrichtungen rockt und nicht lieber an der Bar herumlümmelt, um mit Schwester L. wieder einen Kaffeeklatsch abzuhalten? Wenn es so einfach wäre diesen Partysingle zu finden, dann wäre ich schon lange nicht mehr Single, sondern mit der alten Uschi zusammen und wir würden allen Alleingelassenen auf den Sack gehen, die sich mal wieder danach sehnen nicht alleine einschlafen zu müssen.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit, ich bin raus…

Hochachtungsvoll

die Domptöse

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