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Geständnisse einer Großstadtlesbe (3)

11/07/2009

Lesboland Vol. 3 Der schleichende Tod einer Legende

Frollein,

Viel zu viele mussten zu früh gehen. Die Größen der Glamourwelt. Die schillernden Stars am Film- und Fernsehhimmel, die großen Entertainer der Geschichte und zuletzt der unbestrittene „King of Pop“. (Die Domptöse hat jedoch eine ganz eigenwillige Theorie. Wenn sich schon die ganze Welt darin vereinigt die große Verschwörung zu theorisieren (…hier), dann muss auch ich meinen qualitativ hochwertigen Senf dazu abgeben. In Wirklichkeit ist es nämlich wie folgt:

Es sind alles Eskapisten! James Dean, Marilyn Monroe, Heath Ledger… Alle gar nicht tot! Die steile These der Domptöse besagt, dass sich all diejenigen, die einen vermeintlich unnatürlichen Tod in frühen Jahren gestorben sind, sich in Wahrheit in Area 51 trafen und bis heute noch treffen. Das Ausstiegslager der Eskapisten! Jungle Camp nur ohne Kameras, aber dafür mit einem großen Deckmäntelchen der Verschwiegenheit umwickelt. So sieht es nämlich aus! Und eben solches liegt keinesfalls in den USA, wer das denkt, hat sich längst blenden lassen, sondern irgendwo zwischen Marl und Castrop-Rauxel! Bei einer leicht alkoholisierten Irrfahrt durch den VRR hat die Domptöse dieses wohlgehütete Geheimnis gelüftet, ist jedoch nie wieder in den Genuss einer Wiederholung gekommen. Entweder ist der böse Alkohol schuld oder sie haben mich tatsächlich in guter Men in Black Manier „geblitzdingst“.

So muss auch nun die Lesbenschaft eine wahre Legende zu Grabe tragen. Aber bevor ich zum status quo komme, sollte noch ein Schwank aus der lang vergangenen Jugend der Domptöse erzählt werden. (Man merkt, dass ich zur Zeit Lottmann lese, der auch nur allzu gern von sich erzählt (…hier).  Damals, als die Welt noch in Ordnung war und das kleine Ding noch nicht allzu sehr von der bösen bösen Sozialisation gegängelt worden war, begab es sich, dass die kleine Domptöse der Erleuchtung nah, eine nahezu marienartige Erscheinung hatte. „Wenn ich mal eine ausgewachsene Lesbierin bin, dann will ich so werden wie sie!“ schoss es ihr durch den Kopf. Die Rede ist von einer Ikone, der ungekürten Queen der Szene, der heimlichen Strippenzieherin, die Coolness in Personalunion mit Charakter, Charme und Charisma – Herta, die Dandylesbe! Herta hat Präsenz, Herta muss nicht „in motion“ sein, um zu gefallen, Herta strahlt aus, ohne es zu wollen, Herta ist ein stiller Vulkan, Herta ist… Raucherin.

Und dennoch wusste ich, auch sie war kein Übermensch, auch sie ärgerte sich über schmirgelpapierartiges 1-lagiges Klopapier auf ohnehin schon ekelhaften Autobahntoiletten, auch sie kochte nur mit Wasser (manchmal auch mit Herzblut der Verflossenen, aber dieses Detail bliebt mir noch verborgen) und versuchte wie all die anderen ihr Glück zu machen.

Sie ist diejenige welche, die rotzcool am Rand der Tanzfläche verweilt, inne hält, das rauschende Fest begutachtet, den Fleischmarkt sondiert und versonnen an ihrer Fluppe nuckelt. Herta tanzt nie, sie lässt tanzen. Nur im Verborgenen, wenn sie eine ihrer Errungenschaften beeindrucken will, tanzt sie einen langsamen Walzer auf ihrem handgeschnitzten Fischgrätenparkett im hauseigenen Tanzsaal. Aber das besondere Augenmerk soll darauf gelegt werden wie sie raucht. Herta ist leidenschaftliche Raucherin – jeden Zug genießt sie, als wäre es ihr vermeintlich letzter. Sie atmet ein, die Welt scheint still zu stehen, sie atmet aus. Herta raucht mit Inbrunst.

Hier allerdings ist der Knackpunkt der Geschichte. Der schleichende Tod dieser Legende ist nicht etwa auf den übermäßigen Nikotinkonsum zurückzuführen (erst in 10 bis 15 Jahren wird man sich um Herta Sorgen machen müssen), nein, die Rede ist von ihrer Verbannung aus ihrem angestammten Territorium im Zuge des Nichtraucherschutzes. Das einschlägige Bild der Szene ist gefährdet, denn die Dandylesbe ist vom Aussterben bedroht. Und wo wäre die kleine Domptöse heute ohne ihre einschlägigen Jugenderfahrungen und die kreuzkriechende Verehrung der Herta? Die Dandylesbe ist eine schützenswerte Gattung, die es nicht verdient hat vom Anblick der tanz(rauch)enden Augenweiden abgehalten zu werden, da das Rauchergesetz ihren Habitus beschneidet. Die Hertas deutscher Lande werden abgeschoben in kleine kabuffartige Räumchen, in denen sie sich, ganz unter sich, aber das ist nicht Sinn und Zweck der Geschichte, an ihren Glimmstängeln verlustieren können.

(Eine Randnotiz: Es ist zu befürchten, dass nicht nur das gängige Szenebild nachhaltig beeinflusst wird, sondern auch der cineastische Hochgenuss seiner ungeborenen, rauchenden Helden beraubt wird [nachzulesen hier].)

Die Domptöse verbleibt mit schmachtenden Erinnerungen an bessere Zeiten, denn zu ändern ist es nicht. Der rauchenden Dandylesbe soll jedoch hiermit ein Denkmal gesetzt sein…

Hochachtungsvoll

Die Domptöse

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