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Geständnisse einer Großstadtlesbe (8)

13/08/2009

Lesboland Vol. 8 Allein auf weiter Flur

Frollein,

Es war ein absolut fulminantes Happening! Wo treffen sich eine russische Putzfrau mit spanischem Akzent, eine portugisische Hure, die sich an gutsituierte Zwerge verkauft und eine polnische Prostituierte mit Waschzwang? Neeeein… und ich beschreibe nun nicht Frollein Liesels gespaltene Persönlichkeit… obwohl… vielleicht. Wenn alte Freunde mit dem gleichen aneinander gereiften und abgründigen Humor aufeinander treffen, dann… ja dann.

Warum habe ich meine „alten Freunde“ eigentlich so lange nicht gesehen? Man weiß es nicht . Eine absolut haarsträubende Kombination an Charakteren trifft nach Jahren wieder so aufeinander, die Geister der Vergangenheit werden herauf beschworen, alte Zoten erzählt und ein Wort gibt das andere zum Höhepunkt der politischen Unkorrektheit. Mit wem hatten wir es zu tun? Zum einen Mister S.. Mister S. ist immer schick gekleidet, chic, wirklich chic. Jettet um die Welt, wird nun den neuen Flughafen von D. mit planen und gestalten und ist ein wandelndes Lexikon für Länder, Hauptstädte und deren Einwohnerzahlen. (Sprich, er hat gaaanz lange unnützes Wissen kultiviert, im Endeffekt ist es ihm nun zu Nutze geworden in seiner Branche) Und ich bin nicht einer dieser I-Phone-Sklaven, die das mal eben vom Fleck weg googeln, um dann sagen zu können „Lüger,Lüger!!!“. In seiner Freizeit jedoch trägt er mit Vorliebe alte, mittelalte und gerne auch mal aktuelle Sprüche-T-Shirts. Dieses Mal wurde Chuck Norris zur Schau getragen „Er weiß, warum da Stroh liegt!“.

Zum anderen gab sich noch Frollein T. die Ehre. Immer überdreht, koffeinsüchtig bis in die letzten, immer anderweitig frisierten und gefärbten Haarspitzen (heute mal so etwas wie kupfer) und nie ohne eine selbstgedrehte Zigarette in den Fingerchen anzutreffen. Jedes Statement, das sie macht, ist von einer ausladenden Armbewegung begleitet, bei der man meinen möchte, sie wolle die ganze Welt einladen oder einen Eisbären umarmen. Was bei anderen Menschen geschmeidig wirkt, ist bei ihr nahezu grotesk, aber sie ist nicht davon abzubringen. Ihr Statement zur Szene untermalt von Armen, Armen Armen, kreisen, kreisen, kreisen: „Es ist wie bei Six Feet Under, nur ein bisschen lebensbejahender, gefickt wird immer!“.

Die Runde wurde komplettiert durch Frau L., ihr äußeres lässt Biederes vermuten. Perlenohrringe zieren ihre Ohren, ein grauer Rollseriöskragenpullover nimmt ihr auch den letzten Rest der Weiblichkeit und die Oköabrolllatschen machen die Fassade perfekt. Doch nur die wenigsten wissen, dass ihren Körper unzählige Tattoos verschönern. Von den blutigen Würfeln, über das Herz im Stacheldrahtmantel und den Flügeln des gefallenen Engels ist alles dabei und will so gar nicht zum Schein des Seins passen.

Wir planten  die Weltherrschaft. Wir würden sie durch gut geplante Überfälle auf Banken in Dubai in Burkas gekleidet erringen. Schlüge dies fehl, könnten wir uns immerhin noch eine Insel kaufen, eine Republik oder ein Königreich ausrufen und zu einer Atommacht avancieren (Vielleicht Sylt, oder so). Schlüge auch dies fehl, gründen wir eine Firma „Fair Trade – Jedes Kind hat seinen Preis“ und produzieren Ware die made by children ist. Der große Vorteil dieser Firma, bei uns wüssten die Leute, was sie für ihr Geld bekommen. Der letzte Versuch wäre eine globale Werbekampagne mit Gehrinwaschfunktion, in der wir die Menschen davon überzeugen, dass Insekten schmackhafte Lebensmittel sein können und entgegen der jeweiligen Sozialisation nicht ekelig sind. Der Reibach wäre enorm, die Weltherrschaft nur noch eine Frage der Zeit.

Die Fantastereien überschlugen sich, der Wodka kam auf den Tisch und die russische Putzfrau mit spanischem Akzent erblickte in meiner Gestalt das Licht der Welt. „Is bin eine russisse Putzfrau mit die inständige Wuns eine chestiefelte Miezekatze zu sein.“  Dazu gesellte sich noch die portugisische Hure in Gestalt von Frau L. und die polnische Prostituierte in Gestalt von Frollein T. und das wilde Gezeter, wie auf einem Bazar zur Happy Hour, begann und wollte kein Ende mehr nehmen.

Am nächsten Morgen steppte fröhlich im Konzertsaal meines Schädels Frollein Moskovskaya das ganze Programm von Riverdance. Das Handy klingelte, zu allem Überfluss schon wieder Frollein Liesel.


„Hey, Liesel hier, stör ich?“

„Ja…“

„Macht ja nichts, willste quatschen?“

„Neee…“

„Das meinst du jetzt ironisch oder?“

„Neee Liesel, mein ich nich! Was willst du?“

„Ich wollte dir eigentlich nur mitteilen, dass ich ab nächste Woche nen Spanisch Kurs an der Uni mache, ich meine Leidenschaft für Zwergponys entdeckt habe und gestern vom Doc diagnostiziert bekommen habe, dass ich an einem Waschzwang leide.“

„Waaaaaaaaas?!?!?!?!?!“


Und dann erklang die Titelmelodie von Akte X in meinem Kopf (Frau Moskovskaya konnte auch dazu steppen)!


Hochachtungsvoll

die Domptöse


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