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Geständnisse einer Großstadtlesbe (9)

22/08/2009

Lesboland Vol. 9 Neulich im Kino

Frollein,

zum Kinostart von Hottes Bundeskanzlerträumen zockelte die ganze Bagage ins herrlich klimatisierte Etablissement mit Herzschlaggarantie bei Wiederaustritt. Nun wurde im Fokus der Medien soooo lange zumeist öffentlich rechtlich gesteppt, dass es einer unbegründeten kulturellen Verweigerung gleichkäme, den Film nicht zu sehen.

Ich knibbel mir schon die Fingerchen vor Aufregung vor dem Kassenhäuschen wund, wie immer  kann ich „Erste“ schreien und die anderen lassen sich Zeit, da sehe ich auch schon Frollein Liesel im Zwielicht durch die Eingangstür huschen. Ich verbringe liebend gern Lebenszeit allein mit mir und meiner Atemregulierung, gerne auch in Gruppen, wo man dann doch die eine oder andere Gehrinzelle zum Multitasken abkommandieren muss (Atemregulierung, Gesprächsverlaufsbeobachtung, Kommentarfunktion), aber nicht meine Existenz allein direkt neben/mit/gleichzeitig Frollein Liesel:

„Nabend… guck mal, hab ich extra für den heutigen Abend gebastelt!“

Frollein Liesel werkelt gekonnt an ihrem selbstdesignten DaKeine Rucksack herum und fördert fünf lustig bunte Fähnchen zu Tage.

Lepd

„Was soll das denn bedeuten?“

„LePD, aber bitte englisch ausgesprochen! Ist doch logisch, [Le]sben  [P]artei [D]eutschland! Verstehs auch nix… Was der Hotte kann, das können wir doch schon lange!“

„Neeee…“

„Ja klar, Lesbenpower für Deutschland. Wir stehen für Gerechtigkeit, wir sind liberal, wir sind führend und ein bisschen Opposition, wir liegen im Trend, wir sind modisch, wir sind feministisch, wir sind tolerant, wir sind eine verkannte Minderheit in der Minderheit. Auf in den Wahlkampf, Lesben!“

Bevor das Frollein Liesel noch weiter in ihren Herrscherinnenfantasien zergehen kann,  pärchenschlawänzeln Frollein S. und Frollein A. zu meiner Rettung mit einer mir unbekannten Dame im Schlepptau daher.

„Hi. Ich bin übrigens das Frollein Anna. Ich kenn das Frollein S. vom Fußball.“

Von hinten wie von vorne eine Augenweide mit Alternativ- und Komfortzonen. Rette mich wer kann, geschehen ist es, um mich und die Welt. Liebestoller Autismus überfällt mich, ein Nicken ist gerade noch drin, dann wird sich schön im Cordmäntelchen des Schweigens verkrochen.

An der Kasse wird lieber Parkett anstatt Balkon gebucht, sonst bestünde noch die Gefahr, dass das Frollein Liesel plötzlich und unerwartet dynamisch Fähnchen schwenkend aus vollster Lesbenbrust versucht zum Volk zu sprechen. Dies kann gerade noch vereitelt werden, aber nicht die Platzwahl als solche. Alles rückt fröhlich in Reihe 9 ein. Ich konzentriere mich gerade eher auf Atemregulierung, Nachos sondieren und ein Bein vor das andere setzen ohne dabei volles Mett hinzuknallen und aus meinem Gesicht womöglich eine gar widerliche Nacho-Käsesoßen-Pepperoni-Skulptur zu gestalten, da passiert es: Pärchensitz! Vor mir das Frollein Liesel, der Blick über die Schulter (Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung), hinter mir, na … Augen auf, … niemand. Das sich völlig enthemmt mir vor die Füße kotzende Schicksal spielt ein allzu mieses Spiel. Zwei Stunden auf engstem Raum in der Kuschelnische ohne die nötige CocaCola-Halter-Barrieren-Lehne, um meinen Wohlfühlbereich abzuzäunen, ertrage ich nur schwer. Frollein S. hat sichtlich ihren Spaß:

„Da kann heute mal auf Tuchfühlung gegangen werden!“

Ich behalte meinen Sermon für mich, grummel nur ein „Pest, Cholera und ewige Verdammnis.“ in meinen nicht vorhandenen Bart und ergebe mich der Situation wie sie leibt und lebt und lieselt.

Der Film ist für Schlämmer und Hape Fans ein wahres Muss, Frollein! Lassen sie sich das gesagt sein. Wahlwerbung on its best, jeder darf mal, Plattform auch für die Minderheiten wie z.B die Violetten oder die Feministische Partei  und der lustige Glückshase wurde auch noch mal aus der Mottenkiste gekramt. Hottes Mimik macht Laune, Rücken, Füße, Kreislauf bringen ihn in die Bredouille und Alexandra Kamps gibt eine wunderbar verballerte Kanzlerinnengattin, die den Erotikfaktor eines Schlämmers, des Tigers, nicht verkennt.

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Nach dem Film ist vor dem Größenwahn. Das Frollein Liesel schmiedet Pläne für das Kabinett der LePD, Frollein S. und Frollein A. fabulieren fleißig mit und das Frollein Anna hält sich gänzlich zurück. Frollein Liesel wird Außenministerin, mit ihren bald neuerworbenen Spanischkenntnissen wird das ein Klacks, Frollein S. kümmert sich um die Gesundheit und das Frollein A. wird Verkehrsministerin (sie hat einen ganz guten Draht nach Flensburg, der postalische Verkehr der letzten Jahre lässt Großes hoffen). Und meine Wenigkeit soll also Kanzlerin werden. Wortkarg, zynisch, kritisch, ohne große Skandale, vielleicht ein wenig zu ehrlich für diesen Beruf. Aha aha… Vielleicht sind es doch bessere Pläne mit der LePD als der Burkaangriff auf die Banken Dubais.

Ein amüsanter Kinoabend neigt sich dem Ende, alle gehen ihrer Wege und Frollein Anna will wieder gesehen werden. Vielleicht schon beim nächsten Freundschaftsspiel der kickenden Damen…

Hochachtungsvoll

die Domptöse

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2 Kommentare leave one →
  1. 25/08/2009 11:31 pm

    So, so….die Anna…dann wollen wir mal schauen, ob du sie wiedersiehst und ich für meinen Teil, wiederlese.

    Hope so!

  2. Die Domptöse permalink*
    25/08/2009 11:46 pm

    Mein Alter Ego wird schon einen Weg finden! Ich befürchte um die Domptöse ist es geschehen, verfallen ist sie dem anmutigen Geschöpf und wird weder Wagnis noch Hindernis scheuen, um die Gunst der Lady zu gewinnen 😉

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