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Geständnisse einer Großstadtlesbe (10)

27/08/2009

Lesboland Vol. 10 Neulich auf dem Fußballplatz

Frollein,

Fußball ist mein Leben! Wer Kontakte knüpfen möchte, schließt sich schnellstmöglich einer Mannschaftssportart an – Hauptsache der Ball ist rund! Emotionen, Erfolge, Niederlagen, Frauen, Frauen, Frauen, Freud und Leid liegen nah beieinander. Spätestens wenn es heißt: Meine ExEx ist nun mit der Ex von B. zusammen und die ExEx meiner Ex find ich total süß, ich kann gar nicht genug davon bekommen wie sie den Ball auf Rechtsaußen streichelt. Und ehe man sich versieht hat man den in viel zu vielen Spielen vollgerotzten FedeTorwarthandschuh in der Fratze, weil man einen falschen Blick riskiert hat oder gleich ein ungewolltes abstraktes und schauderlich amorphes Kunstwerk aus Oberschenkel und Stollenabdruck. Dann weiß man wo die Hasen laufen und das Chaos seinen Ursprung hat.

Wenn man in der Mannschaft „verkehrt“, hat es zudem noch den großen Vorteil, dass man dank der modernen, immer auf dem neuesten Stand gehaltenen und hygienisch einwandfreien Duschgelegenheiten in Dorfturnhallen und auf Ranzsportplätzen nie die Katze im Sack kauft, sondern das Heiligtum des ersten Entblätterns schon hinter sich hat. Naja, ich revidiere „Fluch oder Segen?“…

Wie Pat und Patterchon stehen das Frollein Liesel und ich heute im strömenden Regen am Spielfeldrand. Ich darf den riesigen Schirm nicht halten, weil das Frollein sonst in ihrer Niedrigkeit nass würde und so muss ich wirbelsäulenschändend geknickt an ihrer Seite weilen. Da die riesige Wolkenfront Gift und Galle auf das beschauliche Örtchen schleudert, wollte auch niemand außer dem Frollein Liesel zugegen sein, wenn die elf tapferen Frolleins im Matsch ihr Freundschaftsspiel um die  goldene Anna-nass bestreiten. Gekickt wurde gegen das Teutonia Kampfgeschwader aus dem Nachbarort. Allseits gefürchtet wegen der dämonischen Dreifaltigkeit der Angriffsprotonas (Protonas = 100Meter Lesben), die weder Freund noch Feind kennen und die Wege aus der konventionellen Sportdisziplin morgens schon mit dem Müsli in sich aufsaugen. Das Team wäre allerdings nichts ohne die kettenrasselnde Libretta „Schnitzel“, die den 16er verteidigt als ginge es um die Landung in der Normandie und zähneflätschend ihr Revier markiert. Das werte Frollein S. wird im Sturm eine beachtliche Leistung bringen müssen, um der Keeperin unter diesen Voraussetzungen einen einschenken zu können. Die lesbische Topspielerinnen-Phalanx wird komplettiert durch den Pommespanzer im Mittelfeld, der entegen ihres Spitznamens gerne auch mal ein Minenfeld aus Dönerabgas legt. Aber was interessieren mich schon die anderen? Alles was heute zählt ist das Frollein Anna und ihre, ich muss es zugeben, im Regen nicht ganz so geschmeidigen Bewegungen, aber wer macht schon mit fünf Kilo Asche an den Beinen eine gute Figur?

Das Spiel dümpelt 45min vor sich hin ohne wirklich ein einziges Highlight zu bieten, nichtmal eine Gesichtsbremse im regengefluteten Mittelkreis hat es gegeben, obwohl sich der Pommespanzer redliche Mühe gab die Frolleins auf ihre Schwimmtauglichkeit zu testen. Das Frollein Liesel und ich können die Halbzeitansprache verfolgen:

„Und wenn du dat Ding mitte Picke reinkloppst, wie ne Tipp-Kick-Spielerin, is mir doch scheiß egal. Hauptsache der Ball zappelt im Netz“

„Dann rotzt dat Ding doch mal aus 16.Metern ab!“

Der Coach ist ganz der Mann aus dem Pott, nachher wird bei Tante Käthe an der Ecke noch ne Pommes Schranke und ein ordentliches Fiege geholt und die Welt ist wieder in Ordnung.

Doch dann. Es passiert, es bringt mich in Rage! Ich sehe rot, rot rot rot… Anna, nass bis auf die Haut, wird in die Mangel genommen von einer der Protonas und beinemetzelnd niedergemäht. Sie geht zu Boden. Der unparteiische Bindenträger mit drei schwarzen Punkten will nichts gesehen haben und lässt das Spiel weiter laufen. Gebt mir ein Fass Säure! Lasst mich die Protonas mit Teer, Rotz und Galle bewerfen! Der Schirm tut es auch! Das hat die Schleiche dann doch gesehen und das Frollein Liesel und ich bekommen trotz der missratenen Attacke, denn der Schirm verfehlte das Augenlicht der Protonas um mehr als zwei Haaresbreiten, Platzverbot erteilt. Im Unglanz meiner Heldentat verlasse ich den Platz und will mir gewiss sein der Anerkennung von Frollein Anna. Sie rappelt sich auf und schenkt mir ein Lächeln, es hat sich gelohnt. Doch im Gegenzug sehe ich auch die Protonas, die an Gebärden, die an Faustfick und ähnliche Unschöne Dinge erinnern, nicht sparen und somit Rache verkünden. Man sieht sich immer zwei Mal im Leben und in der Szene unumgänglich ihnen nicht wieder über den Weg zu laufen…

Hochachtungsvoll

die Domptöse

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One Comment leave one →
  1. litterart permalink
    08/09/2009 12:11 am

    Deine Art WAHR zu nehmen und dies in WORTE zu fassen ist domptösisch – unverwechselbar. Dein Text fließt; mein Inneres mit ihm. Ich lese DICH einfach gerne. Auflesen werde ich dich aber nicht – – – soll ja noch was übrig bleiben von DIR zum WEITERSCHREIBEN und dergleichen.

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