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Menschen aus Papier

05/09/2009

menschen aus papier

„Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.“

Albert Camus


Salvador Plascencias Debütroman The People of Paper erschien 2005 beim amerikanischen Verlag McSweeney`s, San Francisco, und in diesem Jahr in deutscher Übersetzung von Conny Lösch. Bei der Edition Nautilus ist der Roman nun mit dem Titel Menschen aus Papier für 19,95 Euro erhältlich.

Der 1976 in Guadalajara in Mexiko geborene Autor Salvador Plascencia, der mit seiner Familie im Alter von acht Jahren in die USA immigrierte, ist der erste Prosaschriftsteller, der ein staatliches Stipendium für Neuamerikaner erhielt. Unter anderem studierte er bei Aimee Bender, George Saunders und T.C. Boyle, der große Stücke auf den debütierenden Schriftsteller hält.

»›Menschen aus Papier‹ ist ein Roman wie kein anderer, er entwickelt sich wie ein Schmetterling aus dem Kokon, magisch und ideenreich, um eine Welt der Buchstaben entstehen zu lassen, die in die uns bekannte Welt sickert und dann ›metamorphorisch‹ zu etwas ganz anderem wird. Calvino, Borges und García Márquez kommen mir in den Sinn, aber Plascencias Buch ist eine ganz eigene Kreation, fest verwurzelt und hoch emporsteigend zur selben Zeit.«

T. C. Boyle

In dem Roman Menschen aus Papier, wenn man dieses Werk überhaupt als einen solchen bezeichnen kann, verquickt Salvador Plascnecia mit einer wahren Fabulierkunst die Lebens- und Leidensgeschichten fiktiver, halbfiktiver und vielleicht realer Personen. Die Romanfiguren revoltieren gegen ihren Schöpfer, den mal allwissenden Erzähler Saturn, den Autor Salvador Plascencia selbst oder einem anderen erscheinenden Strippenzieher. Dieser kann in die Gedanken der Figuren eindringen und sie bei all ihren Handlungen beobachten. (taz.de „Kampf der Romanfiguren“, Kirsten Riesselmann)

Im Zentrum des Netzwerks Trueman-esker Geschichten steht Frederico de la Fe, der von der Liebe seines Lebens Merced verlassen wird, da er jede Nacht ins Bett macht. Mit seiner Tochter Little Merced zieht es ihn aus Mexiko in den in der Nähe von Los Angeles gelegenen Nelkenpflückerort El Monte. Dort kann er die hiesige Gang, die El Monte Flores, für den Kampf gegen Saturn gewinnen. Mit Rauch, Nebel, Gedankenverschleierung und Blei versuchen sie den Blicken des Planeten zu entkommen, können das Konstrukt am Ende aber nur verwirren, indem sie ihre Gedanken entfesseln, in kurzen Passagen und Gemengen durcheinander denken (mit typografischer Finesse umgesetzt) und versuchen die Säulen der Erzählung zum Einsturz zu bringen, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Plascencia spielt mit Gegensätzen, verknüpft durch die Sprache spielend urbane Schönheit mit der Kälte asphaltierter und zementierter amerikanischer Städte, verliert sich in napoleonischer Raserei, wenn er als Saturn in die Geschichte von Frederico de la Fe stürzt, die ihm alles genommen hat – seine große Liebe. In Form der Merced de Papel, der Frau aus Papier, betoniert Salvador Plascencia ein Denkmal der Vergänglichkeit, das sich als Leitfaden durch die gesamte Erzählung zieht.

Wer sich ein allumfassendes Leseerlebnis wünscht, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Im Vordergrund stehen die Figuren dieses Romans und nicht die Konzeption, auch wenn es zunächst den Anschein machen mag, dass es sich nur um gewollte Metafiktion handelt. Ob der allwissende, kleine Nostradamus, die Salatpflücker, heilige Wrestler, Schönheiten, die sich mit Bienenstichen vergiften oder unglückliche Kardinäle –  sie alle werden euch verzücken.

„Obwohl man sagt, dass in der Liebe und im Krieg alles erlaubt sei, so wird dieses Diktum außer Kraft gesetzt, wenn Liebe und Krieg aufeinandertreffen; in einem solchen Fall werden die Regeln der Schlacht strenger.“

Menschen aus Papier S. 105

Weitere Links

Offizielle Homepage von Salvador Plascencia

Besprechung im Deutschlandradio Kultur

„Papier ist geduldig“ ( Der Tagesspiegel)

Hochachtungsvoll

die Domptöse


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