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Geständnisse einer Großstadtlesbe (11)

12/09/2009

Lesboland Vol. 11 Neulich bei  LePüff

Frollein,

zu meiner Schande muss ich mir eingestehen, dass all meine Versuche, gegen das Frollein Liesel eine nicht berechtigte, jedoch intrinsisch hoch motivierte Abneigung zu entwickeln, einfach nicht fruchtbringend waren. Dabei wäre sie ein so wunderbares Opferlamm auf meinem Altar der distanzierten Schroffheit gewesen, dem Scheiterhaufen meiner eigenen Existenz, an dem ich mich hätte weiden und laben können. So bleibt mir nichts anderes übrig, als die elendige Barriere der Freundschaft als solche zu akzeptieren und den Narren auf meinem Wahrnehmungsteppich eine Polka  tanzen zu lassen. Prost!

Steigert sich der Grad der Freundschaft wohl im Willen seiner Negierung? Kontraproduktivität stand schon immer ganz oben auf meiner Agenda…

Fest steht jedenfalls, dass das Frollein Liesel eine ganz große Facility Managerin in ihrem kleinen Räumchen der Freunde und FreundesFreundesMenschen ist. Die egozentrierte Anlegung einer mitunter fadenscheinigen Freundschaft kann sich also durchaus nutzbringend und Humankapital fördernd auswirken – sprich, einen Lesbenmagneten wie das Frollein Liesel an seiner Seite zu wissen , befördert Spiel, Spaß und Spannung. Wenn man sich dann auch noch von emotionalen Ballästen und Devotionalien frei machen kann und ihnen nicht Tür und Tor der frauenliebenden Seele öffnet, so könnte man  – vielleicht  – plus/minus null rausgehen. Der Verroh- und Kostung wäre Einhalt geboten, der Ausverkauf an überbordender Freude für Menschen, die es nicht wert sind, gestoppt, die Triebfeder im Uhrwerk der platonischen Streicheleinheiten leicht gedämpft…

Frau von Welt – und das ist das Frollein Liesel in all ihrer Spleenigkeit – vernetzwerkt sich vornehmlich im Internet und kann auf einen grundsoliden Baukasten der lesbischen Kommunikation zurückgreifen. Frollein Liesel war der letzten Tage so gütig mich in einige Geheimnisse, die heiligen Gebote des Onlineflirts, einzuweihen, die ich nun nicht vorenthalten möchte:

Frollein Liesel: „Listen and repeat, Schätzelein!

Gebot Nr. 1 >> „Le-Püff“  als VernetzwerkungsPlattform  sollte man nicht allzu ernst nehmen!“

Die Domptöse: „Ähnlich wie im realen Leben – wenig erwarten, alles bekommen – Optimistenschildchen am Krämerladen der Gefühle aushängen und grenzdebil lächeln, auch wenn es noch so schmerzhaft wird.“

Frollein Liesel: „Ich sehe, du verstehst mich! Listen and repeat, Schätzelein!

Gebot Nr. 2 >> Die Wahl des omnipräsenten, virtuellen Nicknames will gut überlegt sein. Von Fauxpas ala SuesseTie[!!!]gerin321, Lesbe-Drölfundneunzig-sucht und GeileBitch ist bitte abzusehen. Und wenn noch ein Tipp gestattet sein darf, sollte man auch von etwas Shanigem absehen – das ist nun wirklich bis zur Unkenntlichkeit durchgenudelt.“

Die Domptöse: „Wenigstens erkennt man an manchen Pseudonymen die verirrten Heteromäuschen und Fakeschleudern. Aber herrlich sind auch die Lipsticktiffis, die sich Bunny oder Hasischnurzel nennen…“

Frollein Liesel: „Weiter im Text. Listen and repeat!

Gebot Nr. 3 >> Fünf oder sieben Köstlichkeiten ist hier die Frage! Orakeltum und Galileo Mysterie oder doch besser die ausführliche, exibitionistische Darlegung der lesbischen In- und Außenwelt in mehr als den nötigen Kategorien; „In meiner Freizeit“, „Ich sollte öfter“, „Das mag ich gern“ und die überaus wichtige Frage nach dem Coming Out. Manchmal ist weniger eben mehr, wenn es denn kreativ auf den Punkt gebracht ist. Aber auch ausführliche Kreativitätsanwandlungen können ihren Reiz haben, Justitia hält hier der Ambivalenz die Waage – wie du es machst, kannste es auch voll verkacken.“

Die Domptöse: „Und was meinst du zum Thema Profilfoto?!“

Frollein Liesel: “ Shoot it and repeat!

Gebot Nr. 4 >> KEIN BAUCH !!! KEIN MOTORRAD !!! KEIN GOLF !!! KEIN HUND !! KEINE KATZE !!! Ein nettes Bild –  nicht unbedingt mit Pornofliegerbrille oder im myspaceWinkel – tut es auch. Nett lächeln und winken, it could be magic.“

Die Domptöse: „Och nöööö, wozu hab ich mir denn nun den Sixpack antrainiert, wo früher der Waschbärbauch war? Frau will doch zeigen, was sie hat! Das selbstverliebte Highlight kannst du mir doch nun nicht einfach so mies machen!“

Frollein Liesel: „Ach geh mir weg mit deinem Bauch oder ich kratz dir die Augen mit meinen Tiffi-Frenchnails aus! Listen and repeat!

Gebot Nr. 5 >> Aussagen wie „Einsam und Single, unglücklich und schüchtern, nicht nur gucken – auch schreiben“ bitte tunlichst vermeiden. Die Unsexyness wird sonst auf den Thron gehoben! Würze die Profilsuppe mit ein wenig Charme, Witz, Esprit, Einzigartigkeit und einem guten Musikgeschmack und die Frauen werden dir zum digitalen Fuße liegen!

Die Domptöse: „Über den Musikgeschmack ließe sich streiten – wie über so viele Dinge, um nicht zu sagen ALLES. Oder aber über den allgegenwärtigen Altruismus sonst so angstbeißerischer und eifersüchtiger Lesben, die in ihrem Profil angeben nicht genug an sich selbst zu denken und dies doch dem eigenen Seelenheil zu Liebe des öfteren tun sollten.“

Frollein Liesel: „Du sagst es! It´s a bingo! Liesten and repeat!

Gebot Nr. 6 >> Keine schmonzettigen Vorträge über den Sinn des Lebens, kein Romantisieren des „Arm in Arm Einschlafens“ und “am Morgen als erstes in deine Augen gucken”. Und kein Sermon über die Verflossenen!

Die Liste wäre noch unendlich weiter zu führen, aber ich belasse es dabei. Mit diesem Wissen gesegnet, entlasse ich dich in die Unweiten und Untiefen des bösen Web 2.0, auf dass du auf LePüff der feurigen Sünde fündig wirst. Amen.!“

Bin ich nun wirklich gut gerüstet für den digitalen Schreibangriff auf die ahnungslose Lesbenschaft?! Das Frollein Liesel muss es eigentlich wissen – 35 LePüff Freundinnen, bei 29 persönlich bekannt, die wiederum in einem Netzwerk von 111 Frauen stehen. Diese Zahlen können nicht lügen… In diesem Sinne…


Hochachtungsvoll

die Domptöse

PS:

Machen sie, verehrtes Frollein, drei Kreuze im Kalender, am besten in menstrualem rosa, denn die Schirm, Charme und Melone Aktion der letzten Woche auf dem Fußballplatz hatte noch keine nennenswerten Auswirkungen. Jedenfalls haben mir die Protonas noch keinen nächtlichen Besuch abgestattet, bei dem sie Doppeldildo schwingend auf der Jagd nach Domptösen-Hirnmus waren.

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2 Kommentare leave one →
  1. 21/09/2009 1:43 pm

    Die Protonas sollen es ja nicht wagen! *plustert sich auf*

    Wenn man mich nicht kennt und ich nicht kichern muß, kann ich wirklich sehr eindrucksvoll erscheinen. Im Zweifel sofortige Verstärkung aus Wien anfordern, geschätzte Dompteuse.

  2. 21/09/2009 1:44 pm

    Und, ach ja, steht Italien noch?

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