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Geständnisse einer Großstadtlesbe (12)

16/10/2009

Lesboland Vol. 12 Neulich, der Balkon zum Glück

Frollein,

der gestrige Abend würde sich lesen wie die Happy Hour der Neueröffnung einer Bar im Bermuda Dreieck. Grünes mit Milch, lila-gelb Gerspränkeltes, mit Schirmchen oder ohne, ein Happen Pappen Vitaminbeilage zur Stärkung der Abwehrkräfte oder pur, Bier aus der Provinz paart sich im dehydrierten Schlund mit einem der besseren Supermarktweine und als Absacker wird der Sambuca samt Unterarmbehaarung in Brand gesetzt. Prost, Mahlzeit!

Mit dem Gehirn gefangen in der Promillesuppe, war das als apokalyptisch angedachte Stelldichein mit den Protonas in der Stammdisse nur noch eine Banalität. Gönnerhaft wurde die Patte auf den Tresen geknallt, die Bedienmamsell an die Front zitiert und der beste Schnappes als Friedenspfeife dargeboten und, Göttin sei Dank, dankbar angenommen. Vergeben und vergessen sei das missratene Attentat auf dem Fußballplatz, der Schwesternschaft im Geiste stand nahezu nichts mehr im Wege. In Gedanken überlege ich mir noch, wie es hätte schlimmer für mich ausgehen können „Bete zur Strafe für deine Taten drei Mirjam Münteferings und ein Mal Sie liebt Sie“. Als das Amen in der lesbischen Gemeinde in Form von Melissa Etheridge aus den Boxen plärrte, zog ich doch den Rückzug in heimische Gefilde vor und verabschiedete mich von meinen neu gewonnen Freundinnen, die hoffentlich auch noch beim nächsten Aufeinandertreffen den Konsens des Abends vergegenwärtigen können. Ein Abdriften in den Dunstkreis der Animositäten wäre nämlich kein Bulls Eye im Tanz des Lebens. Im Gehen hörte ich noch mit halbem Ohr, wie eine der Protonas in die Runde fragte „Hat jemand Jen gesehen?“.

Was bleibt, sind all die falschen Hoffnungen (Wann hört die Szene auf, die scheiß Szene zu sein? Ach ja –  nie..), die mit der Jacke an der Garderobe wieder eingesammelt und in die kalte Nacht kleidsam hinausgetragen werden.

Prompt rief mich das Frollein Liesel an. Völlig aufgelöst und zähneklappernd berichtete sie mir von einer verkorksten Bettakrobatik mit einer Dame, die sie mit Wühltischlyrik ala „Dein Vater muss ein Dieb gewesen sein“ an der Theke vom spontanen Beischlaf überzeugt hatte (ich hatte mich schon gewundert, wohin sie so plötzlich entschwunden war). Nun allerdings verharrte sie splitterfasernackt auf deren Balkon, da das Frollein Liesel sich nur mit Kippe und Handy bewaffnet eine abkühlende Denkpause verschaffen wollte, dabei aber nicht an die Widerborstigkeit der Glasschiebetür zum Balkon gedacht hatte, die ihr den Weg ins heimelige Zimmerchen wieder verwehren würde.

Frollein Liesel: „Hol mich hier raus aus dem Kleingärtner-Balkon-Idyll!“

Die Dompöse: „Wolltest du nicht immer schon einen gepflegten Urlaub auf Balkonien machen?“

Frollein Liesel: „Aber doch kein Nudistencamp!“

Ich stellte mir das Frollein Liesel vor, wie es innerlich grollend auf dem Balkon steht, die Augenbrauen in die Tiefe zieht und den Mund zu einem Katzenarschloch kräuselt. Ich folgte ihrer Wegbeschreibung. Nach weniger als 10min. Fußmarsch stand ich an der Rückseite der Häuserfront und starrte zum Balkon der zaghaft beleuchteten zweiten Etage.

„Rapunzel! Lass dein wallendes Haupthaar herunter oder grätsche gekonnt mit dreifachem Rittberger in meine empfängnisbereiten Arme!“

Als Massenmordsouffleuse des guten Geschmacks in romeoesker Erwartungshaltung auf dem taubedeckten Rasen gefiel ich mir jedenfalls ganz gut. Dem Frollein Liesel schien der Humor jedoch abhanden gekommen zu sein. Selbst im Zwielicht konnte ich ihren bösartigen, über die Balustrade geworfenen Blick erhaschen, der zu keinerlei weiteren Scherzen einlud und mir sagte „Wer das Hackebeil zuerst zu fassen bekommt, dem gebührt der erste Hieb. Auge um Auge, Zahn um Zahn und sei es nur das Hühnerauge am abgehackten kleinen Zeh.“

Vertraute Stimmen drängen sich im besoffenen SingSang an mein Ohr. Ein kurzer Blick um die Häuserecke bestätigt den ersten Eindruck und will so gar nichts Gutes verheißen. Im Schein der Laterne, auf dem Gehweg zum Hauseingang stehen zwei der Protonas und unterhalten sich. „Meinste Jen hat echt nichts dagegen, wenn ich bei euch penne? Der letzte Bus ist schon weg und ich hab echt kein Bock auf den ersten zu warten!“

Ich eile zum Balkon zurück.

„Wie heißt deine Bettgefährtin?“

„Jen, wieso?“

„Ey scheiße, mann!!! Dann mach, dass du von dem verfickten Balkon runter kommst. Du hast grad ne Uschi von ner Protona geknallt!“

„WTF?“

Wie das Frollein Liesel und ich es geschafft haben aus dieser äußerst misslichen Lage heraus zu kommen, berichte ich beim nächsten Mal.

Hochachtungsvoll

die Domptöse

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4 Kommentare leave one →
  1. 18/10/2009 1:09 am

    Einfach klasse! Sitze hier und grinse immer noch den Monitor an.

    Feuerwehrwache 1 sucht Feuerwehrfrau/mann. Voraussetzungen:

    Nüchternde Einschätzung von Gefahrensituationen, Rettung von gefährdeten Personen und nicht zu vergessen „Erste Hilfe und Wiederbelebung!“

    SiriusAschere

  2. 02/11/2009 2:46 pm

    Also…ich hibbel jetzt aber langsam schon mit dem Fuss, geschätzte Dompteuse. Für die Fortsetzung-Aufklärung – wie auch immer – war zwar kein Erscheinungstermin festgesetzt, aber nu wirds langsam mal Zeit!

  3. Die Domptöse permalink*
    02/11/2009 9:00 pm

    Aloha!
    Der nächste Teil ist in Arbeit (ich peile Mittwoch an ;)) ! Die Uni stresst momentan ein wenig und da ist der kreative Output nicht ganz so groß…

    Die besten Grüße

Trackbacks

  1. Geständnisse einer Großstadtlesbe (13) « Aus dem Absurditätenkabinett

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