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Geständnisse einer Großstadtlesbe (13)

05/11/2009

Lesboland Vol. 13 Neulich, Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

(Ich lege allen Neulesern die vorherige Episode Lesboland Vol. 12 Neulich, der Balkon zum Glück ans Herz!)

Frollein,

es wird Sie sicherlich brennend interessieren, wie der Matratzencasanova Frollein Liesel und ich uns aus diesem haarsträubenden Dilemma befreien konnten. Mit Güte beseelt, werde ich Ihnen das Ende vom Lied, vom Klagelied oder auch, wie man es nimmt, der Balkonserenade, nicht vorenthalten.

Wer nun denkt „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“, dem sei das Phrasenschwein samt der Bitte um eine Spende von fünf Dollarönen für arme Minoritäten freudestrahlend dargereicht und unter die Nase gehalten. Während das Frollein Liesel mit ihren Raubtierkrallen-Frenchnails das Hartplastik der Glastürummantelung bearbeitete, um sich in einem panikattackenartigen Anfall gewaltsam Einlass zu verschaffen, bei dem sie ein äußerst schäbig schabendes Geräusch verursachte, das stark an die grausamen Fingernägel-Tafel-Liebkosungen einer Frau Krause in der 9. Klasse erinnerte, entzog ich mich dem Desaster frei nach dem Motto „ich will hier nicht sein, ich bin gar nicht da“, in einem fröhlich imaginären Flaschenbierflamenco, bei dem ich mit einer traumhaften Eleganz, so meinte ich zumindest im Geiste, die Kastagnetten spielte. Auch wenn es sich um eine nackte Frau auf einem Balkon handelt, schaut man der Katastrophe ungern direkt ins Angesicht. Außer dieser äußerst anregenden Fantasie, malte ich mir außerdem aus, wie dieser Abend für uns zwei Gesellinnen im Meisterhandwerk der Liebe noch ausgehen könnte:

Variante 1

Es regnet Frösche, ähnlich Magnolia, es regnet Fische mit den besten Grüßen von Haruki oder aber der Dude höchst persönlich kommt vorbeigeschlendert und rettet das Frollein Liesel mit seinem sagenumwobenen Teppich als Sprungtuch vom Balkon der Sünde und schlürft derweil noch, ohne auch nur einen einzigen Tropfen des kostbaren Gesöffs zu verschütten, einen White Russian.

Variante 2

Ein äußerst schlechtes, und zudem auch noch weibliches Helge Schneider Double kommt in einem bollywoodesken Partygebimmel Taxi vorbeigerauscht, steigt hektisch, nur mit einem knappen Lendenschurz bekleidet aus, rammscht am Kofferraum des Gefährts mit fahrigen Gesten herum, fördert eine Knickharfe, ähnlich einem Klappfahrrad zu Tage, schupst mich barsch zur Seite und gibt mit vor Inbrunst geschwellter Brust, die weiß Gott nicht zu verachten war, aber dies ist nur eine libidonöse Randnotiz, einen der Klassiker zum Besten:

„Hey Baby, baby! Haha… Ich sah dich auf dem Balkon liegen, du hattest nichts an. Heeeeyyy Heee… Du warst nackt. Du hattest nur das an, was der liebe Gott dir gaahaaab… Das Bonbon war lecker, das ich aß, bevor es dich gab, in meiner Fantasie … (völlig ekstatisch) Baby, es gibt Reis … “

Staunend würde ich das Spektakel in der bierseligen Anekdotenschublade verstauen, jedoch nicht ohne die Frage aller Fragen losgeworden zu sein:

„Öhhm, Helge… oder auch Helga… und wie willst du nun das Frollein Liesel vom Balkon retten?“

„Seh ich aus wie MacGyver oder was?! Mich hat deine Fantasie nur für die musikalische Untermalung gebucht!“

Variante 3

Das Frollein Liesel schwebt, sich an ein Cocktailschirmchen klammernd von dannen und lässt mich allein in den Fängen der tollwütigen Protonas. Bevor ich auch nur ansatzweise auf das „Ey Alte, was hast du denn hier zu schaffen?“ und dem gleichzeitigen Gewahrwerden im marternden Köpfchen der Protonas, ob der Offensichtlichkeit der Intension meiner Anwesenheit und dem nicht wörtlich zu nehmenden „unter einer Decke stecken“ mit dem Frollein Liesel und Jen reagieren kann, habe ich auch schon den ersten Fausthieb in der Kauleiste. Nur noch mit vordergründiger Gelassenheit fördere ich den blutsprudelnden Satz zu Tage:

„Ich befürchte die Penetranz deines erbärmlich kläglich erworbenen Daseinsberechtingungsscheins und seiner derzeitigen Durchführung, verunreinigt mein Karma.“

Aber die Wirklichkeit hält noch immer die besten Geschichten parat und brüskiert die Fantasie in ihrer Einfallslosigkeit mit unverhohlener  Absurdität. So begab es sich, dass das Frollein Liesel am Hartplastik verzweifelnd den folgenschweren Entschluss fasste, nackt, wie Göttin sie nach ihrem Bilde geschaffen hatte und ihrer Kleidungsstücke nicht mehr habhaft werden könnend, den Abstieg vom Balkon zu wagen. Womit auch die Hoffnung schwand den (Trieb)Tatort inkognito und auf Nimmerwiedersehen zu verlassen.

„Bevor ich hier nun an der Außenfassade entlang glibsche und die ersten Sonnenstrahlen des Tages meinen Arsch und andere Dunkelzonen meines Körpers ausleuchten, möchte ich, dass du dich, ganz die Gentlelady, umdrehst!“

„Du glaubst doch nich allen Ernstes, dass ich dich ungesehen da herunter kraxeln lasse und du  womöglich noch, im Falle eines Sturzes, ohne dass ich dich abfangen kann, ungebremst auf die Erde schepperst. Also, zier dich nicht so!“

Das Argument schien dem Frollein Liesel einleuchtend, denn sie schwang sich aus der Deckung und hangelte sich den Balkon herunter. Mit den Zehenspitzen nach dem Balkongeländer des unteren Geschosses tastend, hörte ich sie den lieben Gott und die raue Oberfläche der Balkonverkleidung verfluchen, die ihre Nippel malträtierten. Das Unheil bahnte sich mit Siebenmeilenstiefeln an und ehe ich noch ein „Vorsicht!“ artikulieren konnte, verlor das Frollein Liesel, bei dem Versuch auf dem Geländer zum Stehen zu kommen, das Gleichgewicht, tändelte … und fiel mit einem markerschütternden Schrei auf den Balkon der Erdgeschosswohnung. Mit wimmernder Entrüstung meldete sich das Frollein Liesel zu Wort:

„Eyyyyy!!!! Die Vollpfosten haben ihre Kakteenzucht auf dem Balkon!!!“

Das Frollein Liesel hatte sich somit unfreiwillig diverse unschöne Körperstellen gepierct.

„Wie krass! Das glaubst du nicht!“

Nicht nur eine Kakteenzucht nannten die Mieter ihr Eigen, sondern auch zwei Babyputen, die in einen viel zu kleinen Käfig gesperrt waren und jämmerlichen Blickes das Frollein Liesel anstarrten. Das Frollein Liesel nötigte mich umgehend und ohne Widerrede die Auskunft anzurufen und mir die Nummer des örtlichen Tierschutzvereins geben zu lassen.

Und so wurde nicht nur das liebe Federvieh von den netten Menschen der Tierrettung befreit, sondern auch das nackte Frollein Liesel aus ihrer misslichen Lage.

Eine Konfrontation mit den Protonas blieb jedoch aus. Das Aufgebot der Rettungsmannschaft hat etwaige Übergriffe wohl verhindert, was allerdings nicht heißen wird, dass wir ungeschoren davon kommen.

Lassen Sie sich das eine Lehre sein!

Hochachtungsvoll

die Domptöse

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One Comment leave one →
  1. Archi permalink
    13/12/2009 11:10 am

    Liebste Domptöse,
    durch eine zufällige Begegnung auf einer beliebten Internetseite bin ich in dein Absurditätenkabinett geraten und muß gestehen;ich mag es.
    Aber nun warte ich für mein Gefühl schon viel zu lange auf einen weiteren Erlebnissbericht von dir.
    Jaja,ich weiss.Weihnachten steht vor der Tür,der Stresspegel steigt aber evt findest du ja doch noch zwischen den Geschenkebergen einen Moment Zeit etwas zu schreiben.
    Würdest mich schweeeeeer begeistern.
    Gruß aus Hamburg

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